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Beats & the Blues: Berlinale ’12 Kritik zu „The Beat beneath my Feet“

Beats & the Blues: Berlinale ’12 Kritik zu „The Beat beneath my Feet“

John Williams Spielfilmdebüt ist dicht verwoben mit der Musik und Videoclip-Art der Indie-Bands, die der junge Protagonist verehrt. Der verschlossene Tom (Nicholas Galitzine) scheint ohne Freunde und reale Ziele der geborene Loser, bevor die Handlung begonnen hat. Sogar der Name von Newcomer und Hauptdarsteller Nicholas Galitzine steht im Vorspann erst nach dem von TV-Ikone Luke Perry. Doch einer der Filme, mit denen alternde Stars Comebacks versuchen, ist die Coming-of-Age-Story in gewisser Weise tatsächlich – im doppelten Sinne.

Der alternde Star ist Max Stone (Perry). Offiziell heißt der abgerissene Typ, der in die Wohnung unter Tom und seiner Mutter Mary (Lisa Dillon) einzieht, Stephan irgendwas. Aber Tom, der die Poster seiner Musik-Idole hinter Tierbildern versteckt, wenn seine gottesfürchtige Mutter ins Zimmer kommt , erkennt in dem unwirschen Nachbarn Rock-Gitarrist Max Stone. Der war mit seiner Band „Nothing“ Anfang der 90er ungefähr so berühmt wie Beverly Hills 90210. Dann verlor er sich in Exzessen: Drogen, zertrümmerte Hotelsuiten, Steuerbetrug. Hinzu kam eine familiäre Tragödie, um die unablässig seine Gedanken kreisen wie seine Finger um eine Blechdose. Darin: ein Erinnerungsstück an das Unglück. Auch Tom verbirgt in einem Medaillon um seinen Hals eine düstere Episode. Symbolisch tragen beide Charaktere ihren Schmerz ständig mit sich herum.

Stone versteckt sich wie sein Bewunderer Tom hinter einer Schutzmauer aus laut aufgedrehter Musik. Für den Ex-Rocker währt das Versteckspiel mittlerweile Jahrzehnte. Alle halten ihn für tot und so fühlt er sich auch, bis Tom ihm zeigt, dass noch Leben und Musik in ihm steckt. Tom bringt den widerwilligen Misanthropen dazu, ihn zu unterrichten. Der Beat ist die Lebensader des Dramas, das Drehbuchautor und Produzent Michael Mueller nach bekanntem Schema formt. Das, was Stone eine „eigene Stimme“ nennt, entsteht auf dramatisch dank Regisseur Williams. Bisher inszenierte er Musikvideos für Radiohead, The Offspring und Coldplay. In ähnlichen Clips sieht sich Tom in Tagträumen, die beim Battle of the Bands Wirklichkeit werden könnten. Mehr noch aber gehört die Story Max Stone, in dessen Haut Perry schlüpft – vor allem aber gehört er der Musik.

  • OT: The Beat beneath my Feet
  • Regie: John Williams
  • Drehbuch:
  • Produktionsland: UK
  • Jahr: 2014
  • Laufzeit: 89 min.
  • Cast: Luke Perry, Nicholas Galitzine, Lisa Dillon, Verity Pinter, James Tarpey, Simon Lowe, Christian O’Connell
  • Beitragsbild © Berlinale