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Juicy: Berlinale Kritik zu „The incredible Story of the Giant Pear“

Juicy: Berlinale Kritik zu „The incredible Story of the Giant Pear“

Es gibt immer noch einen anderen Weg, ein Ziel zu erreichen. An diese schlichte Botschaft, die Philip Einstein Lipski, Amalie Næsby Fick und Jørgen Lerdam in ihrem charmanten Kinderfilm vermittelt, hält sich das Regie-Trio auch bei der Inszenierung. Die Leinwandadaption von Jakob Martin Strids Bilderbuch versucht sowohl stilistisch als auch erzählerisch neue Wege weiter zu erkunden. Mut zu visueller und narrativer Eigenwilligkeit und zwei kindliche Hauptfiguren abseits verstaubter Klischees sind die Stärke des drolligen Kinowerks, das vor liebevollen Details fast überschwappt. Zwar wagen sich die Macher der tollkühnen Geschichte einer Rettungsaktion nicht ansatzweise so weit auf unbekanntes Terrain wie die Charaktere, aber die Verbindung von Humor, Spannung und liebenswerten Helden wäre dennoch ein Gewinn für hiesige Kinos.

Dorthin schaffen es leider nur wenige Filme aus dem Jugendprogramm der Berlinale, wo der Mix aus Puppentrick und Computeranimation Premiere feiert. Dabei wickelt das Regie-Team das Publikum bereits spielerisch um den Finger, wenn es in den ersten Szenen den Startpunkt der wilden Seefahrt vorstellt. Sunnytown erinnert zugleich an eine wuselnde Knetlandschaft und eine übergroße Spielzeugwelt. Autos und die eher untypischen Fortbewegungsmittel auf den Straßen des verträumten Städtchens haben etwas von Duplo und Matchbox. Gebäude erinnern an aufklappbare Häuser aus dem Technikbaukasten. So besticht das Szenario ältere Zuschauer mit einer Spur Nostalgie, während es für Jüngere jede Menge knuffige und lustige Feinheiten in der kunterbunten Szenerie zu entdecken gibt. Ähnliches Gespür für Nuancen zeigen die Charaktere.

Alle, auch der besorgte Sebastian (Alfred Bjerre Larsen) und seine wagemutige Freundin Mitcho (Liva Elvira Magnussen), haben Schwächen, die ihre Suche nach Sunnytowns verschwundenen Bürgermeister J.B. hindern. In unscheinbaren Szenen, in denen die Mission wortwörtlich abzusaufen droht, wenn das fruchtige Fahrvehikel von Sebastian, Mitcho und ihrem tüftelnden Weggenossen Professor Glucose (Peter Frödin) kentert, zeigt der Plot, dass vermeintliche Schwächen und Gefahren nicht zwangsläufig solche sind. Worauf es ankommt, ist der Umgang damit: sei es Furcht, ein von Nemo mit der Nautilus inspirierter U-Boot-Kapitän, ein überdimensionales Stück Obst oder eben ein danach benanntes Kinderbuch. Aus dessen simpler Story destillieren die Filmemacher den Geist, gemixt mit einem Schuss Anarchie. Und ein Gläschen Birnengeist gibt‘s für die Helden obendrein.

Das spaßige Kinoabenteuer bezaubert mit einer verspielten Kombination aus Puppentrick und CGI. Bevölkert von einnehmenden Figuren, abseits dumpfer Gut-Böse-Schemata und altbackener Rollenklischees, sprengt die turbulente Fantasie-Reise optisch und dramaturgisch die Buchdeckel der Vorlage. Wenn die Kids im Familienverband selbst nach dem Piraten-Loblied auf Melonen und riesigen Mengen animierter Riesenbirnen immer kein Obst mögen – ja, äh, einfach selber essen.

  • OT: Den utrolige historie om den kaempestore paere
  • Regie: Philip Einstein Lipski, Amalie Næsby Fick, Jørgen Lerdam
  • Drehbuch: Bo hr. Hansen, Philip Einstein Lipski and Amalie Næsby Fick
  • Produktionsland: Dänemark
  • Jahr: 2017
  • Laufzeit: 79 min.
  • Cast: Alfred Bjerre Larsen, Liva Elvira Magnussen, Peter Frödin, Henrik Koefoed, Peter Plauborg
  • Beitragsbild © Berlinale
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