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Berlinale ’12: Rosa von Praunheims Doku feiert Ralf König in als „König des Comics“

Berlinale ’12: Rosa von Praunheims Doku feiert Ralf König in als „König des Comics“

Da hört der Spaß auf. Jedenfalls für den christlichen Medienverbund KEP. Für den ist seit dem 6. Januar 2009 Schluss mit lustig. Damals schickte der Cartoonist und Comic-Zeichner Ralf König seinen Archetyp auf satirische Fahrt. Widerstand von Kirche und Bundesprüfstelle sowie anderen Wächtern des Spießertums sind nicht die einzigen Hürden im Leben des Titelprotagonisten, den Rosa von Praunheim zum Helden seiner dokumentarischen Hommage im Berlinale Panorama macht.

Hauptfigur der in der FAZ erschienen satirischen Vorführung religiöser Absurditäten waren nicht das schwule Liebespaar Konrad und Paul, das Kerle kastrierende Kondom des Grauens oder das durch seine verliebten Herrchen aneinander geratene Hundegespann Roy & Al. Es war Noah, der Typ aus der Bibel mit der Sintflut. Eine solche folgte an empörten Protesten voll kirchlicher Ressentiments. Doch die Cartoon-Reihe ging weiter, wie die Karriere des 1960 in Westfalen geborenen Grafikers, den der Regisseur in dessen Wohnung aufsucht.

Den Stil, mit dem er im selben Zeichenstrich parodiert und polarisiert, hat König lange gesucht: „Da kamen Sachen raus, die ich heute gerne vom Planeten schießen würde.“ Gelungen ist es ihm nicht. So zählen die vergriffenen Frühwerke neben Privatvideos von Königs Auftritten im Transen-Theater zu den raren dramaturgischen Leckerbissen. Selbstironie und Bodenständigkeit, die den Humoristen sympathisch machen, werden paradoxerweise zum Nachteil der Lebenschronik. Die ist entweder nicht viel aufregender als jede x-beliebige andere oder aber tiefgreifende Konflikte und Widersprüche finden keine Erwähnung. 

Dass Königs zeichnerisches Gespür für Widerlegung und Exposition von Klischees von Tunten, Tussis, Traumtypen und Transen auch ein Gespür für Tabuthemen ist, wird ebenso vernachlässigt wie politischer Protest gegen Einschränkung von Presse- und Medienfreiheit. „Ich wollte Comics für Erwachsene machen“, berichtet König im Rückblick auf erste Erfolge 1981 mit SchwulComix. Dass die Öffentlichkeit selbst Jahre später damit nur begrenzt umgehen konnte, bewies die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die Bullenklöten auf den Index setzen wollte.  

Durch die kindernahe Darstellungsform als Comic“ müsse davon ausgegangen werden, „dass Kinder (und auch Jugendliche) von den witzig karikierten Typen in den Bann geschlagen werden.“ Kids lesen König und lachen sich dann womöglich alle schwul! Die Realität dieser unausgesprochen Bundesprüfstellen-Befürchtung bestätigt ein hetero König-Fan. Kann man von diesen Heften schwul werden? „Ja!“ Spaßig ist das filmische Kompliment, das weder Mitreißendes noch Überraschendes zu bieten hat immerhin. Die rosarote Brille zählt hier zum guten Stil: Kitschig? „Wir lieben Kitsch!

  • Beitragsbild © Basis-Film Verleih
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