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Berlinale ’11: Ghostly hands of neglect reach for the young heroine in tenderly tragic „Just Pretended to Hear“

Berlinale ’11: Ghostly hands of neglect reach for the young heroine in tenderly tragic „Just Pretended to Hear“

Immer wenn sie das Haus verlässt, trägt Sachi (Nonaka Hana) ihren Ring an einer Kette um den Hals. Sogar im Unterricht, obwohl Schmuck gegen die Vorschriften ist. Er gehörte ihrer Mutter, die fort ist, obwohl Sachi in der Wohnung noch ihre Anwesenheit spürt. Verwaist und unheimlich ist es in der Küche, wo noch die Schürze der Mutter über der Stuhllehne hängt. Alleswirkt, als käme sie jeden Augenblick herein. Oder ist ihr Geist noch bei Sachi und ihrem hilflosen Vater (Sugiki Takayuki), obwohl die Biologielehrerin sagt, mit dem Hirn sterbe alles? „Deine Mutter wird immer über dich wachen.“, erzählt ihr Tante Yumiko (Yashima Yasumi). Doch was die introvertierte Heldin von Imaizumi Kaoris sanfter Trauergeschichte über den Verlust trösten soll, stürzt sie in tiefe Verwirrung.

Sachis 11-jährige Klassenkameradin Nozomi (Gouda Meru) glaubt fest an Geister, die sie sogar auf der Schultoilette fürchtet. Ihre Mitschülerinnen machen sich deshalb über die Neue in der Klasse lustig. Nur Sachi ist bereit, nach den Gründen von Nozomis Ängsten zu suchen. Kaoris sensibles Kinodebüt über den kindlichen Umgang mit Trauer und Tod begleitet das schweigsame Mädchen auf der Suche nach Antworten, vor denen Erwachsene zurückscheuen und die der Schulunterricht nicht geben kann. Ihr Vater ist bemüht, den Alltag aufrechtzuerhalten, aber selbst mit der neuen Verantwortung und dem Alleinsein überfordert. In der Schule registriert niemand die Veränderung des Mädchens, deren Vater bald nicht mehr das Haus verlässt. In der Wohnung glaubt er den Geist der Toten, deren verwelkte Blumen er aufbewahrt: Sinnbild für seine eigene Todessehnsucht.

Die Instabilität des Erwachsenenumfelds wird zu einer zusätzlichen Last für die stille Protagonistin. Ihr Vater wird zu sehr von eigenem Schmerz verzehrt, als dass er den seiner Tochter bemerken könnte. Die wohlmeinende Biologielehrerin vermeidet sachliche Erklärung, wenn ihre Schülerin bei ihr Rat sucht. Wenn man Angst habe, sähe sogar Bäume wie Gespenster aus, erklärt Nozomi. Ihre Worte versinnbildlichen die Macht der Depression, den Alltag der Betroffenen übergreifend zu verdüstern. Wie schwer es nicht nur für Kinder sein kann, den Tod in seiner schmerzlichen und bereinigenden Absolutheit anzunehmen, erzählt Imaizumi mit zurückhaltenden, doch dafür um so authentischeren Bildern.

  • OT: Kikoeteru, furi wo sita dake
  • Regie: Kaori Imaizumi
  • Drehbuch: Kaori Imaizumi
  • Produktionsland: Japan
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 99 min.
  • Cast: Hana Nonaka, Meru Gouda, Takayuki Sugiki
  • Beitragsbild © Berlinale