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Berlinale ’12: Porno meets Kierkegaard in „The End of Puberty“

Berlinale ’12: Porno meets Kierkegaard in „The End of Puberty“

Sex, Sex, Sex … das ist die einzige Zielsetzung in der rudimentären Story und den Köpfen der Klischeefiguren, die sie bevölkern. Sex geht immer, am Besten, wenn es an Hintersinn, Humor und Hirn mangelt. Die einen kichern drüber, andere finden es geil – dachte sich augenscheinlich Kimora Shokus, dessen Mix aus Teenie-Porno und Klamauk diese Lektion vermittelt. Passend dazu spielt die unter der Hui-Hui-Hülle reichlich altbackene Sexklamotte in einer Schule. Schulmädchenreport in Japan. Klingt nach 50 Jahre vergammelter Alte-Knacker-Phantasie, ist aber eine jüngeren Datums. 

Sex, Sex, Sex…“, trällert die notgeile Tsubura vor sich hin, während sie Porno-Comics krakelt. Das titelgebende Ende der Pubertät steht der Protagonistin scheinbar kurz bevor. Für andere kommt es niemals, beweisen die Pennäler-Gags des Regisseurs und die Verklemmtsein von Tsuburas Bio-Lehrer Herr Madoka. Klar, wer ihm zeigt, dass Schulmädchen-Fetisch nie aus der Mode kommt, weil reife Typen, die auf kleine Mädchen abfahren, eben leider nicht in verkorkste Porno-Possen rumrennen. Kindfrau ist das Ekelwort, dass am treffendsten das Hauptsexobjekt Tsubura beschreibt. 

Als ob Frauen (impliziert intellektuell) Kinder wären und kleine Kinder (implizit sexuell) erwachsene Frauen. Aber bloß keine Grenzen ziehen. Nötigung, Bedrängung und Belästigung ist hier alles furchtbar lustig. Denn sie will es ja doch, auch wenn sie sich sträubt. Sie? Ja, denn Herr Madonna und Tsubura tauschen die Geschlechter. Genderswap! Ist ja urkomisch die Vorstellung, ein Männerkörper könne weibliche Attribute haben und umgekehrt. Aber, hey, ist doch nicht als verklemmtes Verlachen gemein. Mann und Frau sind doch zur Vereinigung bestimmt. 

Das vermitteln die Namen Madoka, En, Tsubura und Maru, alle Leseweisen des Kanji für Kreis. Total philosophisch. Und es wird noch anspruchsvoller. Nicht, dass jemand annimmt, in der grellen Klamotte ginge es nur um Sex, Sex, Sex. Der Originaltitel Koi ni itaru yamai bedeutet etwa Krankheit zur Liebe. Kierkegaard! Der schrieb doch von Krankheit zum Tod. Das war ohne schrille Soundeffekten und alberne Slapstick und die überladene Optik. Tod passt jedenfalls. Zum Tod abgeturnt macht die Pseudo-Sex, Sex, Sex-Satire alle und wie eine Krankheit fühlt sich das Anschauen an. Nur Liebe ist ganz weit weg. 

  • OT: Koi ni itaru yamai
  • Regie: Kimura Shoko
  • Drehbuch: Kimura Shoko
  • Produktionsland: Japan
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 116 min.
  • Cast: Wagatsuma Miwako, Saito Yoichiro, Satsukawa Aimi, Sometani Shota
  • Beitragsbild © Berlinale