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„To Rome with Love“ – Die Fassade bröckelt nicht nur in der Titelstadt

„To Rome with Love“ – Die Fassade bröckelt nicht nur in der Titelstadt

Nichts als Ruinen. Irgendetwas an denen deprimiere ihn, erklärt John. „Ich nenne das Ozymandias-Melancholie.“ Wow, tiefschürfend. Woody Allen hat scheinbar Percy Shelley gelesen und will, dass alle es wissen. Oder er hat Percy Shelley gegoogelt und will, dass alle glaubten, er habe dessen Gedichte gelesen. Dem Publikum unaufhörlich und unerbittlich unter die Nase zu reiben, wie kultiviert, intellektuell und feingeistig ihr Schöpfer sei, scheint Hauptaufgabe von Woody Allens Filmen. Letzte anzusehen ohne ein wachsendes Gefühl der Übelkeit, die sich beim Gedanken an die von seiner Tochter berichteten Verbrechen und Allens Sympathie für Sextäter wie Weinstein bis zum Brechreiz verstärkt, ist praktisch unmöglich. Doch selbst der Versuch würde To Rome with Love nicht retten.

Die seichte Romanze scheint geschaffen, um jedes Bedauern über einen Abtritt Allens aus der Filmbranche im Keim z ersticken. Ozymandias-Melancholie, wie sie den angegrauten Stararchitekt John (Alec Baldwin) bewegt, stellt sich gewiss nicht ein, wenn der aus den Standardversatzstücken diverser Allen-Komödien zusammengestoppelte Plot sich auf fast zwei Stunden auswälzt. Vor der pittoresken Kullisse der Titel-Metropole trifft John auf sein jüngeres Alter Ego, Architekturstudent Jack (Jesse Eisenberg), den er nolens-volens in der Affäre der bei John und dessen Freundin Sally (Greta Gerwig) gastierenden Monica (Ellen Page) coacht. Mit dem Alter käme Weisheit, fabuliert Jack, was John korrigiert: „Mit dem Alter kommt Erschöpfung.“ Allens schleppende Rom-Com ist der beste Beweis dafür.

Dylan Farrow about Woody Allen

Die einzig glaubhaften Gefühle sind die des Regisseurs für die Ewige Stadt. Dort sei alles eine Geschichte, palavert ein Straßenpolizist. Alles sei „verlässlich, liebenswürdig, vorhersehbar“, genau wie Allens Werk es sein will, und „berühmt für seine Berühmtheit“, genau wie Allen. Er mimt in der Nebenrolle des Jerry einmal mehr die Persona, die manche Medien und noch mehr seiner Fans augenscheinlich für den echten Allen halten. Dieses sorgsam konstruierte Image ist mittlerweile so brüchig wie die Bauwerke, zwischen denen die Protagonisten ihren belanglosen Verwicklungen entgegen flanieren. Mit dem Unterschied, dass es nie grandios war, sondern immer schon schäbig. Mit einem Zitat aus Pagliacci, deren Titelpart Jerrys Schwippschwager Giancarlo (Fabio Armiliato), der einzig unter der Dusche formidable Opern zu schmettern vermag, in einer burlesken Episode singt: La Comedia e finita.

  • OT: To Rome with Love
  • Regie: Woody Allen
  • Drehbuch: Woody Allen
  • Produktionsland: USA, Spanien, Italien
  • Jahr: 2012
  • Laufzeit: 110 min.
  • Cast: Ellen Page, Woody Allen, Penélope Cruz, Alison Pill, Jesse Eisenberg, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Greta Gerwig, Ornella Muti, Judy Davis, Carol Alt, Riccardo Scamarcio, Maricel Álvarez
  • Kinostart: 30.08.2012
  • Beitragsbild © Tobis