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„Die Trauzeugen“ – „A few Best Men“ make no good movie

„Die Trauzeugen“ – „A few Best Men“ make no good movie

Eines Tages könnte dir dein bester Freund ein Messer in den Rücken stechen.“ Die Warnung hört Tom (Kris Marshall) unterwegs zur Blitz-Hochzeit seines Kumpels Davey (Xavier Samuel), die er als eben solchen Verrat empfindet. Dass die kleinen Pannen von Daveys Freunden Tom, Graham (Kevin Bishop) und Luke (Tim Draxl) nur harmlose Vorboten bevorstehender Katastrophen sind, steht in Stephan Elliotts Buddy-Movie spätestens dann fest, wenn einer der Protagonisten sagt „Der Rest des Wochenendes wird perfekt werden.“

Das altbekannte Muster, nach dem die akkurat inszenierte Zeremonie zwischen Davey und der Tochter eines australischen Senatoren in Chaos mündet, gibt Tom vor: „Es ist eine Hochzeit, Davey. Welten prallen aufeinander.“ Wie wörtlich dies gemeint ist, zeigt ein überdimensionales Hochzeitsbukett, das die Gäste gleich Kegeln abräumt. Auf inszenatorischer Ebene ist Regisseur Elliott weniger treffsicher. Das Versprechen einer originellen Variation des Filmschemas, das er mit dessen Benennung gibt, bricht er vorab mit den Charakteren. Die Protagonisten gleichen Schachfiguren, so normativ geformt, so unverrückbar positioniert und hölzern geschnitzt sind sie und so reglementiert ihre Handlungsschritte.

David ist der romantische Held, seine Zukünftige Mia (Laura Brent) ein liebliches Nichts. Tom ist der Draufgänger, Graham die Mimose, Luke der depressive Pessimist und Drogendealer Ray (Steve Le Marquand), den sie im Schlepptau mitbringen, der Psychopath. Die vornehme Gastfreundschaft personifizierende Brautmutter (Olivia Newton-John) verwandelt zu viel Champagner in ein Party-Luder, der Patriarch Jim (Jonathan Biggins) sieht mit der Initiation des neuen Familienoberhaupts seine Macht bröckeln. Eine Unterminierung konservativer Werte haben Die Trauzeugen indes nicht im Sinn. Stattdessen untermauern sie das reaktionäre Fundament des verkrampften Fäkalhumors, den Elliott im wahrsten Sinne zu seinem Ursprung zurückführt.

Der liegt in dem zahmen Widder und Maskottchen von Senator Ramme, der in doppeltem Sinne zum Sündenbock wird, der für Jims Vergehen büßen muss. Dass sie den ihr zugedachten Senatorenposten ablehnt, ist nur vorgebliche Selbstbehauptung, die ihr Fügen in die traditionelle Ehefrauenrolle markiert. Wie deprimierend tief das Niveau des primitiven Humors der tumben Klamotte ist, verdeutlicht die Reaktion von Mias Schwester Daphne (Rebel Wilson) auf „die Stelle über Analsex“ in Grahams Hochzeitsrede: “Ich fand, die war so ziemlich die lustigste von allen.

  • OT: A Few Best Men
  • Regie: Stephan Elliott
  • Drehbuch: Dean Craig
  • Produktionsland: Australien
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 97 min.
  • Cast: Rebel Wilson, Xavier Samuel, Olivia Newton-John, Kris Marshall, Elizabeth Debicki, Kevin Bishop, Laura Brent, Steve Le Marquand, Tim Draxl
  • Kinostart: 14.06.2012
  • Beitragsbild © Concorde