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„Helden des Polarkreises“ : Komödiantischer Schnee von gestern lässt eiskalt

„Helden des Polarkreises“ : Komödiantischer Schnee von gestern lässt eiskalt

In der siebenten Klasse sollten wir einen Aufsatz schreiben über besondere Sehenswürdigkeiten in unserer Region von Lappland“, erzählt Kapu (Jasper Pääkkönen) aus dem Off währen die Kamera von Dome Karukoskis lakonischem Kinoklamauk über die verschneite Einöde nördlich des Polarkreises gleitet. Sehenswürdigkeiten, erst recht besondere, sind in rar in dem kleinen Ort, in dem Kapu und seine Kumpel Taipo (Timo Lavikainen) und Janne (Jussi Vatanen) die Zeit totschlagen: Taipo beim Stripper-Flipper am Pinball-Automaten (Taipo), Kapu vor einem Bierglas (Kapu) und Janne auf dem Sofa beim Fernsehen. Mit letztem ist es vorbei, als der gesamte Ort auf digitalen Empfang umstellt. „Analog war besser“, murren die Helden des Polarkreises, die bei Wind und Schnee auf die Suche nach einer „Digibox“ gehen.

Grund der epischen Reise ist Jannes Freundin Inari (Pamela Tola). Wenn der notorisch bankrotte Versager nicht seine Gleichgültigkeit überwindet und als Zeichen dafür den Empfänger besorgt, droht sie ihn zu verlassen. Gemeinsames Fernsehen dank moderner Technik ist in der von lapidaren Sprüchen und ordinären Episoden begleiteten Odyssee hochemotionales Symbol für Familiensinn, Verantwortung und wahre Zuneigung. Würde Regisseur Karukoski seine Prämisse nicht todernst nehmen, hätte die simple Geschichte um drei Loser am Ende der Welt beinahe satirisches Potential. Anteilnahme am Schicksal der unsympathischen Charaktere, die flippern, damit überreife Modelle mit jedem erzielten Punkt mehr Haut enthüllen und lebende Rentieren an den Läufen aufhängen, um für ein paar Euro auf sie einzustechen, ist indes nahezu unmöglich.

Es scheint als transzendiere das Desinteresse der Helden des Polarkreises die Leinwand. Dass das Heimatdorf der Protagonisten einen eigenen Baum hat, an dem Selbstmörder ihrem Trübsinn ein Ende setzen, macht die schleppende Erzählung überaus verständlich. „Wenn man mit euch Jungs rumrennt wäre es echt kein Wunder, wenn man sich einen Strick nimmt“, seufzt Kapu. Leider beendet er die Selbstmordtradition zum Happy End, das einen russischen Bekannten buchstäblich als Deus Ex Machina anfliegen lässt. „Manchmal soll man nicht zu lange zögern und einen Schlussstrich ziehen.“ Im Falle des witzlosen Kinoklamauks gleich nach dem Vorspann.

OT: Napapiirin sankarit

Regie: Dome Karukoski

Drehbuch: Pekko Pesonen

Produktionsland: Finnland, Island, Schweden

Jahr: 2010

Laufzeit: 92 min.

Cast: Jasper Pääkkönen, Jussi Vatanen, Pamela Tola, Timo Lavikainen, Kari Ketonen, Mia Nuutila, Erkki Hetta

Kinostart: 12.01.2012

Beitragsbild © Pandastorm Pictures