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Fuck the FSK: „Romeos“ ist sehenswertes Jugendrama & braucht kein „frei ab 16“-Rating

Fuck the FSK: „Romeos“ ist sehenswertes Jugendrama & braucht kein „frei ab 16“-Rating

In einer frühen Szene von Sabine Bernardis Spielfilmdebüt überrascht der junge Hauptcharakter Lukas (Rick Okon) unabsichtlich eine Mitbewohnerin, als sie aus der Dusche kommt. Die junge Frau gibt den klischeemäßigen Aufschrei von sich und reagiert damit wohl ähnlich wie die Prüfer der FSK, als sie das ambitionierte Jugendrama sichteten. Die sich konkret an ein junges Publikum richtende Teenie-Romanze erhielt von den Verantwortlichen der fragwürdigen Prüfstelle eine Freigabe ab 16. Ist die Story um einen 20-Jährigen, der sich nach einer Geschlechtsangleichung mit einem unvertrauten Körper, einem neuen Umfeld und unerwarteten Gefühlen zurechtfinden muss, ein Porno? Nö, alles ganz harmlos. Lukas verknallt sich in Fabio (Maximilian Befort), der ebenso leicht zu haben wie schwer zu kriegen ist.

Fabio weiß nichts von Lukas Vergangenheit als Miriam. Davon weiß nur Lukas beste Freundin Ine (Liv Lisa Fries), die ihm ein Selbstbewusstsein vorlebt, das er noch nicht hat und nebenbei auf Frauen steht. Hat Ine ständig Hardcore Girl-on-Girl-Action? Nö, die hat in der holprigen Coming-of-Age-Story niemand. Es gibt eine wie so einige Entwicklungen eher unglaubhafte und didaktisch anmutende Verführungsszene, aber die ist nur angedeutet. Grundsätzlich dreht sich Romeos nicht um Sex, sondern um emotionale Unsicherheiten junger Erwachsener, die durch Lukas besondere Situation und die meist wenig verständnisvollen und abwertenden Reaktionen seiner Mitmenschen noch komplizierter werden. Sehnsucht und Furcht vor physischer Nähe stürzen die Charaktere ins Gefühlschaos, wobei negativ besetzte Klischees leider nicht ausbleiben.

FSK zu Romeos

Doch die FSK hat laut ihrer Begründung augenscheinlich Angst, ein Film, der sich der Transgender-Thematik annimmt, könne jüngere ZuschauerInnen ebenfalls transgender machen oder was auch immer sich die Leute der FSK vorstellen, wenn sie schreiben: „Das Thema selbst ist schon schwierig für 12- bis 13-Jährige und die Schilderung einer völlig einseitigen Welt von Homosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen.“ Boys beware! Girls beware! Parents beware! Guckt lieber die nächste Komödie von Til Schweiger, da vergibt die FSK trotz Obszönitäten und Sex gern frei ab 6. Den Angestellten der FSK empfiehlt sich die das Low-Budget-Drama in der Spätvorführung, wo sie etwas lernen könnten: über Liebe, Freundschaft – und Toleranz.

  • OT: Romeos
  • Regie: Sabine Bernardi
  • Drehbuch: Sabine Bernardi
  • Produktionsland: Deutschland
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 94 min.
  • Cast: Rick Okon, Maximilian Befort, Liv Lisa Fries, Felix Brocke, Silke Geertz, Gilles Tschudi, Sigrid Burkholde
  • Kinostart: 08.12.2011
  • Beitragsbild © Televisor Troika GmbH