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„Parked“ zeigt zwei Außenseiter abgestellt am Rand der Gesellschaft

„Parked“ zeigt zwei Außenseiter abgestellt am Rand der Gesellschaft

Die See ist rau an dem Herbsttag, an dem Darragh Byrnes empfindsame Freundschaftsgeschichte beginnt, doch das Leben des ausgestoßenen Fred Daly (Colm Meaney) ist noch rauer. Er war mal Uhrmacher, er war auch mal Juwelier, ein Bürger der grauen Kleinstadt an der irischen Küste und ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft. Aus seiner gegenwärtigen Sicht liegen Welten zwischen dem Jetzt und dem Damals. An sie erinnert sich niemand außer ihm und einer Schnitzerei vor seinem ehemaligen Haus, indem längst eine neue Mieterin wohnt. Er habe eine kleine Bleibe hier, erzählt er ihr. Die Antwort ist zugleich wahr und traurige Ironie. Wehmut, gelindert durch trotzigen Humor, gibt den Grundton von Byrnes Sozialmärchen.

In seinem Kinodebüt erzählt der irische Regisseur von zwei Randfiguren im praktischen und figurativen Sinne. Fred und der junge Cathal (Colin Morgan) existieren am äußersten Rand der Gesellschaft und des Orts. Der drogensüchtige Herumtreiber und der resignierte Arbeitslose wohnen in ihren Autos. Beide sind Opfer der gleichen Gesellschaftsmechanismen. „Bestimmungen und Vorschriften“, die ihnen persönliche Hilfe und materielle Unterstützung verweigern. Das staatliche Desinteresse ist Ausdruck menschlicher Abstumpfung und Lethargie. Der sprunghafte Junkie und der stille Tüftler teilen die äußere Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Schicksal. Im Kontrast dazu steht die Anteilnahme der gegensätzlichen Freunde füreinander. Fred erscheint „kultiviert“ für Cathal, der den Blick der Pianistin Jules (Milka Ahlroth) auf ihn lenkt.

Dokumentarfilmarbeit ist oft ein Kampf mit der Realität, während Spielfilmarbeit ein Kampf gegen die Realität werden kann. – Darragh Byrne

Das Debüt voller vielversprechender Ansätze trägt sein Herz auf der Zunge, so dass es letztlich kaum interessiert, ob es am rechten Fleck sitzt. Was längst durch die überzeugenden Darsteller vermittelt wurde, müssen Dialoge überdeutlich machen. Die Bildsprache verkommt von Tragikomik zu einem Pathos, von dem sich die Erzählung nie erholt. Was von der aufgebauten Stimmung bleibt, wirkt wie abgestellt und nicht abgeholt: auch eine Form, einem Filmtitel treu zu bleiben.

  • OT: Parked
  • Regie: Darragh Byrne
  • Drehbuch: Ciaran Creagh
  • Produktionsland: Irland, Finnland
  • Jahr: 2010
  • Laufzeit: 94 min.
  • Cast: Colm Meaney, Colin Morgan, Milka Ahlroth, Stuart Graham, Michael McElhatton, David Wilmot,
  • Kinostart: 29.11.2012
  • Beitragsbild © Dualfilm