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Das Spiel ist nie aus: „Toy Story 3“

Das Spiel ist nie aus: „Toy Story 3“

Sogar pielzeug-Cowboy Woody hat es geahnt: „Wir allen wussten, dass dieser Tag kommen wird.“ Andy, Besitzer von ihm, Buzz Lightyear und den anderen Toys geht aufs College, Toy Story wird in 3D fortgesetzt. Die ausrangierten Spielsachen landen am Ort des Grauens schlechthin: einer Kindertagesstätte. Das Idyll trügt: die kleinen Rowdys malträtieren die Toys und der gutmütige Teddybär Lotso entpuppt sich als skrupelloser Diktator im Spielzimmer. Woody und seine Freunde müssen um das Heil ihrer Plastikhaut kämpfen. Erwachsen wird nur Andy, Toy Story 3 bleibt anstrengend kindisch in seiner Naivität. Naivität wäre auch zu hoffen, dass Lee Unkrich sich nach zwei lukrativen Animationsabenteuern vollgestopft mit tradierten Familienwerten auf Neuland wagt.

Alles dramatische Potential, dass den vereinzelten düstereren Momente innewohnt, verschenkt der Regisseur. Der vor aufgeblasener Action nur so strotzende Überlebenskampf der Toys und ihre von gekünsteltem Herzschmerz nur so triefenden Trennungsängste spiegeln jene der Filmproduzenten, die sich partout nicht von den zuverlässigen Einnahmequellen verabschieden wollen. Solange sich noch ein paar Dollar aus der Geschichte quetschen lassen, werden die Toys nicht verramscht.Reif für den Müll waren sie dabei schon im ersten Teil, genau wie die tumbe Botschaft der seichten Handlung. Wer veraltete Spielsachen nicht mag, ist gemein. Alles klar, Kids? Schön weiter das überteuerte Disney-Merchandising konsumieren, sonst weinen die Spielfiguren in den Kaufhausregalen und die Studiobosse weinen über die verlorenen Gewinne.

Liebe Kinder lieben die Toys. Auf der Leinwand soll dies genauso gelten wie davor. „Ihr werdet nie alt oder verlassen oder vergessen werden!“, wird den Helden versichert – wohlgemerkt von Lotso, dem Schurken des Stücks. Gelungene CGI-Effekte, ein witziger Auftritt von Barbie-Boyfriend Ken und ein paar Insidergags, die den erwachsenen Begleitpersonen den Kinoaufenthalt erträglich machen sollen, können nicht über die Fantasielosigkeit hinwegtäuschen. Der vorhersehbare Plot ist ein lieblos fabriziertes Fließbandprodukt ist, nicht anders als die Titelhelden. Glaubhafte Emotionen fehlen, Moral wird diktiert. So aufdringlich wie die Marken Fisher Price, Mattel und Co. Auf der Leinwand ist das filmische Marketingkonzept. Das kindliche Zielpublikum ist das Spielzeug finanzieller Kalkulation: Toys ´r´ us.

  • OT: Toy Story 3D
  • Regie: Lee Unkrich
  • Drehbuch: Michael Arndt, John Lasseter, Andrew Stanton, Lee Unkrich
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2010
  • Laufzeit: 98 min.
  • Cast: Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Rickles Don, Michael Keaton, Wallace Shawn
  • Kinostart: 29.07.2010
  • Beitragsbild © Walt Disney