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Bei einem Rom-Com-Titel wie „Fremd Fischen“ hat niemand ernsthaft was Gutes erwartet – oder?

Bei einem Rom-Com-Titel wie „Fremd Fischen“ hat niemand ernsthaft was Gutes erwartet – oder?

Die Angel wird in Luke Greenfields Liebeskomödie nach Männern ausgeworfen: vorzugsweise denen der besten Freundin. Mit den Folgen für feste und beste Freundschaften beschäftigt sich die Kinoadaption von Emily Giffins Bestseller.

Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes, etwas Blaues: Die traditionellen Brautgaben, auf die der Originaltitel von Giffins Roman und dessen Verfilmung anspielen, kommen bei der Verlobungsfeier von Darcy (Kate Hudson) und Dex (Colin Egglesfield) zusammen. Allerdings nicht für die egozentrische Darcy, sondern für deren vergleichsweise unscheinbare Freundin Rachel White (Ginnifer Goodwin). Alt ist ihre Freundschaft zu Darcy, neu die Leidenschaft gegenüber Dex, blau ist Rachel selbst, als sie mit ihm eine Nacht verbringt, und geborgt danach Darcys Verlobter. Zurückgeben möchte Rachel ihren Jugendschwarm ungern. Doch das Hochzeitsdatum rückt näher, und Dex fühlt sich weiterhin Darcy verpflichtet, trotz seiner Gefühle für Rachel. Die muss sich entscheiden, was sie opfern will: Freundschaft oder große Liebe?

Im Schema einer Hochglanzromanze inszeniert Greenfield eine Geschichte, die wenig Liebevolles und Zartfühlendes an sich hat. Glatte Optik kaschiert die Scheinheiligkeit des vorhersehbaren Plots. Darcys Selbstbezogenheit dient als Rechtfertigung für Rachels Freundschaftsverrat und soll Mitgefühl gar nicht erst aufkommen lassen. Stattdessen impliziert der Plot, Darcys Los sei selbstverschuldet und ausgleichende Gerechtigkeit. Fischte doch Darcy selbst nach Rachels Partner und angelte sich so auch Dex. Der fadenscheinige Moralismus pocht auf das vermeintliche Vorrecht der Erstverliebten. Dahinter steht das Konzept, dass Liebesbeziehungen nicht unvorhergesehen entstehen und individuellen Konditionen unterliegen, sondern Sieg in einem unerbittlichen Wettkampf sind. 

Exemplarisch das Badminton-Spiel, das Rachels Kumpel Ethan (John Krasinski) zu Wahrheit-oder-Pflicht umfunktioniert, bei der Fehler mit Geständnissen bestraft werden. Nicht nur auf dem Spielfeld geht es Schlag auf Schlag. Um eine Enthüllung ihrer Affäre zu verhindern, verpasst Rachel Ethan einen Hieb mit dem Badminton-Schläger; so hart sind die Bandagen im Duell um den Traummann, der aufgrund seiner Unentschlossenheit und Fadheit nie als solcher erscheint. Auch außerhalb der zentralen ménage à trois bedeutet Liebe: Krieg! In dem ist jedes Mittel erlaubt und Täuschung selbstverständlich : Darcy probt schon vor der Hochzeit das Weinen vor Rührung und Ethan behauptet Homosexualität, um Darcys liebestoller Freundin Claire (Ashley Williams) zu entgehen.

Hudsons passables Schauspiel ist verschwendet an eine in die Rolle der Unsympathin gepresste Karikatur, die aufgrund ihres verkappten Alkoholismus und als Betrugsopfer eher Mitleid erweckt. Rachels Reue dagegen wirkt wie ein der moralischen Konvention geschuldeter Mechanismus, aus Angst, im negativen Licht dazustehen. Dex ist reines Prestigeobjekt: die Trophäe in einem idiotischen Duell, dass niemanden interessiert. Die Paarbildung als Triumph wahrer Liebe zu sehen – das zentrale Versprechen einer romantischen Komödie – erfordert intellektuelle und emotionale Blindheit. Für eine Beziehungssatire fehlt der Romanadaption der Mut. Greenfield zwängt sein Kinodebüt in das Schema konventionellen Romanzen, was deren Bigotterie und Zynismus zuwider läuft. 

Ihrer Freundin den Verlobten abspenstig zu machen bereitet Rachel hämische Freude, doch weder sie noch Greenfield wollen die eingestehen. Protagonisten, Prämisse, die gesamte Produktion sind so verlogen wie der Titel dämlich.

  • OT: Something Borrowed
  • Regie: Luke Greenfield
  • Drehbuch: Jennie Snyder Urman
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 112 min.
  • Cast: Kate Hudson, Ginnifer Goodwin, John Krasinski, Steve Howey, Colin Egglesfield
  • Kinostart: 16.06.2011
  • Beitragsbild © Tobias
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