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„Tracks“ macht sich auf einen beschwerlichem Weg, aber kommt nirgendwo an

„Tracks“ macht sich auf einen beschwerlichem Weg, aber kommt nirgendwo an

Robyns schweigsamer Vater (Robert Coleby) bezweifelt, dass seine jüngste Tochter die Tour überstehen kann, ihr Arbeitgeber Kurt Posel (Rainer Bock) beutet ihren Traum aus und alle anderen halten ihre Idee für verrückt. Ein wenig ist sie das auch. Darin liegt die anhaltende Faszination der auf authentischen Ereignissen basierenden Story. Sie fokussiert ebenso die beschwerliche Wüstendurchwanderung wie den Geist, der in dieser Erfahrung aufgeht. Die kantige Hauptfigur (Mia Wasikowska) will nichts beweisen und noch weniger will sie ein Spektakel wie die Touristen, die sie unterwegs mit Kameras verfolgen. „Ich will nur für mich sein“, sagt Robyn, die den innigsten Kontakt zu ihrer tierischen Eskorte hat: den Kamelen Dookie, Zeleika, Bub und Goliath und ihrer Hündin Digitty. Sozialer Umgang hingegen zehrt sie mehr auf als die physische Anstrengungen und das Alleinsein in der Wüste. „Du hast ein Problem mit Menschen“, bemerkt der amerikanische Photograf Rick Smolan (Adam Driver), mit dem Robyn während ihres Trips ein Verhältnis beginnt.

Es ist keine Romanze, eher eine beiläufige On-Off-Affäre, die sie letztendlich nur hindert. Anders als so viele Filmbiografien definiert Tracks seine Protagonistin über ihre Leistung statt über ihre Liebeleien. Die reale Robyn Davidson begann 1977 das Wagnis und beendete es rund neun Monate später auf der anderen Seite ihres Heimatlandes. Der Sand unter ihren Füßen ist dann das Ufer des Meeres. Seine Wogen glitzern fast unwirklich, als wäre es eine Fata Morgana wie sie Robyn im Outback erblickt. Trugbilder, wilde Tiere, Wasserknappheit, die Beinah-Einbuße ihrer Kamele und Reiseutensilien, schließlich der Verlust eines Tieres, der einen verdrängten familiären Verlust in Robyns Bewusstsein bringt und Momente der Resignation: Robyns Marschroute bringt sie an die bekannten Stationen, die für Hauptfiguren von bildprächtigen Abenteuerfilmen unumgänglich scheinen. Doch zu einem Abenteuermärchen stilisiert das Unterfangen erst Rick, der es für den National Geographic zur Fotoreportage aufbereitet: der Preis, den Robyn zahlen muss, damit das Magazin ihre Unternehmung sponsert.

Der widerwillige Handel wirkt auf skurrile Weise kontraproduktiv auf ihre Beweggründe. Robyn sehnt sich nach einer Alternative zu der von Chauvinismus und Rassismus geprägten Alltagsrealität, die sie seit ihrer Ankunft in Alice Springs 1976 abstößt. Eine verwandte Seele findet sie in dem afghanischen Kamelfarmer Sallay Mahomet (John Flaus), der einer Nomadenfamilie entstammt, und dem erfahrenen Eingeborenen Mr. Eddie (Rolley Mintuma), der zu ihrem Führer durch heilige Gebiete der Ureinwohner wird. Die schwelgerischen Panoramabilder Mandy Walkers lackieren das schroffe Porträt mit einem Rest der artifiziellen Romantik von Baz Luhrmans Australia. Darunter aber verbirgt sich eine tiefere Geschichte über die Unvereinbarkeit von moderner Zivilisation, Individualismus und Naturverbundenheit. Regisseur Curran gerät dabei in ein ähnliches Dilemma wie seine Hauptfigur. Um sein Projekt realisieren zu können, muss er es für ein Mainstream-Publikum aufarbeiten, auch wenn es der Essenz der Erzählung zuwider läuft.

Kompromisslerisch klingt somit Robyns Aussage, dass eine gewöhnliche Person alles schaffen könne. Eine gewöhnliche Person scheint das letzte, was die echte Robyn ist. Sie war vielleicht zu außergewöhnlich für ein trotz aller Vorzüge letztendlich konventionelles Kinoepos.

  • OT: Tracks
  • Regie: John Curran
  • Drehbuch: Marion Nelson
  • Produktionsland: Australien
  • Jahr: 2013
  • Laufzeit: 110 min.
  • Cast: Mia Wasikowska, Adam Driver, Rolly Mintuma, Robert Coleby, John Flaus, Emma Booth
  • Kinostart: 10.04.2014
  • Beitragsbild © Ascot Elite Entertainment