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„The Seventh Son“ will mit billigem CGI den Spaß an Hexenverbrennungen neu anfachen

„The Seventh Son“ will mit billigem CGI den Spaß an Hexenverbrennungen neu anfachen

Zehn Jahre vergeudet!“, flucht Hexenjäger Master Gregory (Jeff Bridges), als sein Assistent (Kit Harington) im Kampf verschlissen wird. Da steckt man seine Energie in einen Lehrling, der die ganze Mittelalter-Drachen-Fantasy-Welt durch seine Game of Thrones-Erfahrung in- und auswendig kennen sollte, und dann versagt der bei der ersten Hexe!Regisseur Sergei Bodrov muss sich nicht ganz so doll ärgern. Für sein ursprünglich für Februar 2013 angesetztes 3D-Spektakel hat er immerhin nur drei Jahren im Schlepptau – bis es nun doch noch in den Kinos landet.

Denn merke: fiese Sachen, auf die man sich in der Vergangenheit eingelassen hat, kann man weder einfach im DVD-Regal vergraben, noch in einem unterirdischen Verließ. Letztes versucht Master Gregory Oberhexe Mother Malkin (Julianne Moore). Mit der hatte Gregory mal eine wilde Affäre, was sich im Lebenslauf eines Hexenjägers eher schlecht macht. Im Gegensatz dazu ist das Action-Vehikel in Bodrovs cineastischem Lebenslauf fast ein Highlight, zum einen aufgrund der hochkarätigen Hauptdarsteller, zum anderen aufgrund des ansehnlichen Budgets. Geschätzt die Hälfte davon verballert gleich die Eröffnungsszene, als wolle der Regisseur sagen: „Das ist alles, was wir auf Lager haben. Wenn euch das nicht reicht, geht doch nach Hause!“ Der erste Impuls ist, umgehendaus dem Saal zu spazieren, aber hier entkommt niemand seiner Pflicht, sei es die eines Filmkritikers oder des siebten Sohn eines siebten Sohnes. Wer folkloristische Vorkenntnisse besitzt oder das gleichnamige Album von Iron Maiden, ist jetzt klar im Vorteil. Was es mit der Generationenfolge auf sich hat, erklärt nämlich keiner. Womöglich wollte das Drehbuchautoren-Trio Steven Knight, Charles Leavitt und Matt Greenberg sich alle Optionen offen halten. Im Volksglauben werden siebten Söhnen von siebten Söhnen jedenfalls verschiedenste Eigenschaften zugesprochen, die meisten negativ. Von Superkräften ist nirgendwo die Rede, aber der Film lässt das leidige Titel-Thema ebenso unter den Tisch fallen, wie die Namen der Vorlagen.

Damit sind nicht The Lord of The Rings, Harry Potter und Hansel & Gretel: Witchhunters gemeint, von denen die faden Stereotypen abgekupfert sind, sondern die zugrunde liegenden Romane. Bisher sind es 18 an der Zahl und bei allen steht „Spook“ auf dem Cover. Master Gregory (Jeff Bridges) ist der Spook. Was genau ein „Spook“ ist, bleibt wie so viele der zusammengeworfenen Fantasy-Motive unklar. Wenn man schon nicht die groben Zusammenhänge erklärt, warum sich bei Details die Mühe machen? Nach den blechernen CGI-Effekten zu urteilen, ist ein Spook eine Mischung aus Vincent Price‘ Witchfinder General und Ghostbuster, der je nach Laune mal mehr wie Gandalf drauf ist und mal mehr wie Saruman. Der eigentliche Held Tom, auf den die US-Auflage der Buch-Serie in ihrem Titel „The Last Apprentice“ verweist, wirkt an Master Gregorys Seite wie eine Kreuzung aus Prinz Caspian aus Die Chroniken von Narnia, Frodo und Mickey Maus in Der Zauberlehrling. Das passt eventuell zur Buchreihe, wo Tom 12 Jahre alt ist, aber nicht zur vom 33-jährigen Ben Barnes verkörperten Leinwandfigur. Bei seinem kaltblütigen Lehrmeister lernt Tom mit Silberpuder, Eisennetzen und einer Art Zippo-Zauberstab Mother Malkin (Julianne Moore) und ihre Schergen in Asche zu verwandeln.

Hexenjäger und Inquisitoren sind offenkundigfür so manchen modernen Fantasy-Autoren echte Vorbilder. Deren Kampf ist auch in der heutigen Zeit nicht ausgefochten: So stehen Master Gregory und Tom für das anglosächsische, männlich geführteChristentum gegen ein heidnische Dämonen unter weiblicher Führung. Zur ihr Hexen-Armee zählen exotisch kostümierte Magier, die bedrohliche Stereotypesüdamerikanischer, osteuropäischer, asiatischer, afrikanischer sowie afroamerikanischer Ethnien verkörpern. Was fremden Glaubens, fremder Herkunft oder fremden Aussehens ist, muss von langer patrilinearer Hand ausgerottet werden. Nach seiner Feuerprobe erwartet Tom also eine aussichtsreiche Hexen-Verbrenner-Karriere – und das Publikum womöglich gar eine Fortsetzung.

  • OT: The Seventh Son
  • Regie: Sergei Bodrov
  • Drehbuch: Charles Leavitt, Steven Knight, Matt Greenberg
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2014
  • Laufzeit: 102 min.
  • Cast: Jeff Bridges, Ben Barnes, Alicia Vikander, Kit Harington, Olivia Williams, Antje Traue, Djimon Hounsou, Julianne Moore
  • Kinostart: 05.03.2015
  • Beitragsbild © Universal