#movie #review #cinema #critic #film #festival #podcast

„The Adventures of Tintin“ – Klamauk für das konservative innere Kind

„The Adventures of Tintin“ – Klamauk für das konservative innere Kind

Ihr Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor“ Als das eines Milchbubis bezeichnet dieses Gesicht später einer der üblen harten Kerle, mit denen es der Typ mit hellblauem Pullover und Foxterrier ständig aufnimmt. Steven Spielberg inszeniert solche Szenen, als handle es sich um große Mysterien. Das eigentliche Mysterium ist dabei: Für wie begriffsstutzig hält der Regisseur und Co-Produzent sein Zielpublikum? Fans der in Deutschland als Tim und Struppi erfolgreichen Hefte von Georges Remi alias Hergé sind wohl auf einer ähnlichen Wellenlänge wie das geistlose 3D-Abenteuer. So altbacken wie der erste Comic-Strip von 1929 fühlt sich die mit aufwendigen CGI-Effekten protzende Kinofassung an.

Im Motion-Capture-Verfahren lösen Tim (Jamie Bell), Captain Haddock (Andy Serkis) und der schurkische Iwan Iwanowitsch Sakharin (Daniel Craig) das Geheimnis der Einhorn. Druckfehler? Nein, „Die Einhorn“ ist ein Schiff mit Schatz an Bord. Klingt trotzdem idiotisch, aber das hat die Erfinder deutscher Verleihtitel noch nie interessiert. Fantasielos und aseptisch wäre der 3D-Streifen auch, wenn auf dem Poster Tintin stünde. Wie heißt es passend in einem Dialog mit Detektiv-Duo Schulze & Schultze (Nick Frost & Simon Pegg): „geradezu kindisch einfach oder besser gesagt: einfach kindisch.“ Spielberg sei laut Presseheft selbst Fan der Comics, obwohl der lieblos und plump hingeschluderte Blockbuster nichts davon verrät.

Die protzigen Actionszenen sind atmosphärisch so hohl wie die Figuren leblos. „Ein ganz schön cleveres Bürschchen“ ist der Detektiv-Reporter und „ziemlich ausgekocht“. Tim/ Tintin kann alles und weiß alles, nur nicht, was Angst, Zweifel und Schwäche sind. Realist sei „nur ein anderes Wort für Drückeberger!“, proklamiert der trinkfeste Haddock die jede Spannung abtötende Unfehlbarkeit des jugendlichen Helden: „Natürlich haben Sie einen Plan. Sie haben doch immer einen Plan.“ Genau wie Spielberg, der den Film als Auftakt einer Trilogie plante. Obwohl der fade erste Akt selbst die Protagonisten ernüchtert: „Nach dem ganzen Aufheben hätte man gedacht, dass ein bisschen mehr hinter dem Schatz ist.

  • OT: The Adventures of Tintin
  • Regie: Steven Spielberg
  • Drehbuch: Steven Moffat, Edgar Wright, Joe Cornish
  • Produktionsland: USA
  • Jahr: 2011
  • Laufzeit: 110 min.
  • Cast: Jamie Bell, Andy Serkis, Daniel Craig, Simon Pegg, Nick Frost, Toby Jones, Mackenzie Crook, Daniel Mays, Joe Starr, Gad Elmaleh
  • Kinostart: 27.10.2011
  • Beitragsbild © Sony