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Berlinale ’20 Wettbewerb: „Rizi“ revels in tedious, tiresome, torturous Taiwanese tristesse

Berlinale ’20 Wettbewerb: „Rizi“ revels in tedious, tiresome, torturous Taiwanese tristesse

In der ersten und subjektiv längsten von rund einem Dutzend ausgedehnter Szenen sitzt einer der zwei Protagonisten am Fenster und beobachtet den prasselnden Regen. Laut der Pressewerbung heißt er Kang (Lee Kang-Sheng) und verspürt „einen Schmerz unbekannter Herkunft, den er kaum erträgt und der seinen ganzen Körper erfasst“. Vielleicht ist der ältere Mann aber auch einfach nur müde. Müde wie alle, die geschlagene zwei Stunden den deprimierenden Bildarrangements folgen, müde wie Ming-liang Tsai.

Der malaiisch-chinesische Regisseur, bekannt für narrative und visuelle Reduktion, treibt den Minimalismus in seinem jüngsten Berlinale-Werk auf die Spitze. Dahinter zeigt sich kein künstlerisches Konzept, zu dem die Lethargie eines James Benning oder einer Angela Schanelec beflissen stilisiert wird, sondern schlicht Überdruss. Den verraten die spärlichen Geschehnisse, angelehnt an Stray Dogs und Vive l’Amour, und anstelle von Musik untermalt mit Thais Dauermotiven: urbane Anonymität, Vereinsamung, Sehnsucht nach körperlicher Nähe bei gleichzeitig Unfähigkeit dazu.

Kang und der jüngere Non (Anong Houngheuangsy) bleiben Fremde, deren Namen einzig die Synopsis preisgibt. Ihre Motive, Geschichte und Gefühle erschließen sich nicht in den statischen Kameraaufnahmen, die jeden erst allein und dann beide zusammen betrachtet. Non kocht (in seiner Wohnung, laut Pressematerial) Speisen (aus seinem Heimatdorf, laut Pressematerial). Kang besucht einen Quacksalber. Kuriert werden die durch Sex, der ja angeblich Endorphine freisetzt. Dazu spielt Non auf einer Minimusikbox Cheeck to Cheeck – natürlich gaaaanz laaangsaaaam.

Monotonie, Leere und Depression sind im doppelten Sinne prägender Aspekt der queeren  Großstadtsymphonie, die Ming-liang Tsai auf Schneckentempo runterfährt. Gegenüber den Figuren bleibt das Publikum so distanziert wie sie es von ihrem Umfeld scheinen. Den Verzicht auf Untertitel erklärt ein Vortext zur dramaturgischen Entscheidung, doch vermutlich war es eher Ökonomie. Gesprochen werden nur wenige Sätze. Kommuniziert wird sexuell – wenn überhaupt. Diesen Unwillen, sich mitzuteilen, verinnerlicht offenbar der Autorenfilmer, dessen Manierismus die eigene Inszenierung lähmt.

  • OT: Rizi
  • Regie: Ming-liang Tsai
  • Drehbuch: Ming-liang Tsai
  • Produktionsland: Taiwan
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 127 min. 
  • Cast: Lee Kang-Sheng, Anong Houngheuangsy
  • Beitragsbild © Berlinale
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