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Berlinale ’20 Series: Danish TV-Short-Series „Sex“ is just stale silly soap

Berlinale ’20 Series: Danish TV-Short-Series „Sex“ is just stale silly soap

Das knackig-kurze Format der jeweils rund 10-minütigen Episoden von Amalie Naesby Ficks Serien-Debüt sind wie geschaffen für eine postmoderne Dramatisierung zeitloser Themen wie Zuneigung, unterschiedliche Vorstellungen von Partnerschaft und individuelle Bedürfnisse nach physischer und emotionaler Nähe. Dass die Serie zudem im dänischen Fernsehen unter dem dort kalendarische gesetzten Motto der Aufklärung läuft, verspricht noch mehr Anspruch und Qualität. Leider besitzt die ereignisarme Mini-Soap weder das eine noch das andere, geschwiegen denn …

SEX?! Wenn eine Produktion damit im Titel protzt, dazu in lasziven rosa Neon-Buchstaben, sollte der entweder in handlungsrelevanter, der Charakterisierung dienender, idealerweise ästhetisch erträglicher Weise vorkommen oder als dramatisches Motiv indirekt präsent sein. Allerdings ist der relevanteste Sex hier paradoxerweise der, den die Hauptfiguren nicht haben. Catherine (Asta Kamma August) ist quasi dauergeil, ihr Langzeitfreund Simon (Jonathan Bergholdt Jørgensen) weniger. Ob es an Catherines ungepflegter Erscheinung liegt oder früher mal anders war, bleibt schleierhaft.

Mancher Porno hat komplexere Protagonisten als die ereignisarme Beziehungskiste, in die Catherine nach einem Kuss mit Kollegin Selma (Nina Terese Rask) stolpert, und natürlich mehr Sex. Den gibt es ein Mal, das Clara Mendes vorabendtauglich brav in Szene setzt. Ironischerweise ist das nichtmal bedauerlich. Die Charaktere sind ebenso uninteressant wie unangenehm und ihre banalen Problemchen wirken selbst in Kurzform ermüdend ausgewalzt. Es hätte so schön sein können. Ist es aber nicht. Eben wie echter Sex.

Sämtliche platten Kalauer, zu denen er Titel einlädt, sind witziger und kreativer als Amalie Naesby Ficks ernüchternde TV-Serie. Deren Kurzfolgen wissen weder das Potenzial der knappen Laufzeit auszuschöpfen, noch dem Titelschlagwort eine interessante, geschweige denn relevante Facette abzugewinnen. Bei einem politisch, sozial, kulturell und medial so omni- und überpräsenten Thema wirk das schlicht armselig und denkfaul. Die aufklärerische Implikation, die der dänischen Produktion aufgepfropft wird, wirkt da wie eine Werbemasche. Genau wie der Titel. 

  • OT: Sex
  • Regie: Clara Mendes, Amalie Naesby Fick
  • Drehbuch: Amalie Naesby Fick
  • Produktionsland: Danmark
  • Jahr: 2020
  • Laufzeit: 77 min. 
  • Cast: Asta Kamma August, Jonathan Bergholdt Jørgensen, Nina Terese Rask, Sara Fanta Traore
  • Beitragsbild © Berlinale
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