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Berlinale ‚2020 Generation: Rubika Shah’s engaging doc chronicles RAR’s „White Riot“ against racism

Berlinale ‚2020 Generation: Rubika Shah’s engaging doc chronicles RAR’s „White Riot“ against racism

Historische Dringlichkeit, unerschütterlicher Widerstandsgeist und mitreißend Musik verschmelzen in Rubika Shahs packendem Debütfilm zu einem inspirierenden Dokument jugendlichen Aufbegehrens. Englands Punk-Szene findet darin Anerkennung als immanent politisch, angespornt von niederschmetternden Effekten der Wirtschaftskrise und wucherndem Rechtspopulismus. Zweiter ist ein Kernthema der aus aktuellen Interviews, Archivmaterial, Konzertmitschnitten und Nachrichtenausschnitten zusammengefügten Chronik einer anti-faschistischen Gegenbewegung. Rock against Racism war eine kurzlebige Organisation mit enormer Auswirkung: auf die heranwachsende Generation, die Musikkultur und eine gespaltene Gesellschaft.

Rock Against Racism was white people finally waking up to the fact that ‘Oh my God, there’s racism here’. Black people were living it.

Pauline Black

Parallelen zur Gegenwart drängen sich auf, ohne dass die Regisseurin sie herausarbeiten müsste. Die radikale National Front und arrivierte Populisten wie Enoch Powell einten frustrierte Arbeiterklasse und reaktionäres Establishment zu einem Rechtsruck, dessen Symptome beunruhigend gegenwärtige Entwicklungen reflektieren – nicht nur in England. Xenophobie, Invasionsparanoia, Behördenwillkür, Polizeigewalt, Naziparolen. Alles war sagbar. Prominentestes Beispiel: Eric Claptons rassistische Tirade während seines 1976er Konzerts in Birmingham: ausschlaggebende Motivation zur Gegenbewegung, initiiert von Agit-Prop-Darsteller und Fotograf Red Saunders.

Gemeinsam mit anderen Kreativen der Untergrundpresse, deren expressiver Stil direktes Vorbild der dokumentarischen Optik ist, entstand RAR. Ziel war nicht nur Kampf gegen die NF, es war die Demaskierung des omnipräsenten Rassismus: „Unsere Aufgabe war es, die Flagge wegzuziehen, um das Hakenkreuz zu enthüllen“. Das gelang ihnen damals und gelingt nun Shah, deren konzise Chronik in einem legendären Event kulminiert. Bevor die Brücke zu gegenwärtigen Protestaktionen geschlagen werden kann, schmettern die Schlussakkorde. 

 Our job was to peel away the Union Jack to reveal the swastika.

Red Saunders

Rubika Shahs dokumentarischer Sturm wirbelt Bilder, Zeitungsberichte, Nachrichtenclips und Konzertaufnahmen auf und reißt nebenbei das Publikum mit. Historische und aktuelle Interviews mit Initiatoren und Schlüsselfiguren lassen unmittelbar an der Entstehung von Rock Against Racism teilhaben. Hintergründig und prägnant rekonstruiert die Reportage eine Ära, die wieder heraufzuziehen droht. Untermauert von erstklassiger Musik entsteht ein Filmessay von beunruhigender politischer Aktualität, das Protest nicht nur abbildet, sondern anregt: „Das [Faschismus] ist kein Problem, das einfach so verschwinden wird.

  • OT: White Riot
  • Regie: Rubika Shah
  • Drehbuch: Rubika Shah
  • Produktionsland: UK
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 80 min. 
  • Cast: Roger Huddle, Kate Webb, Syd Shelton, Ruth Gregory, Tom Robinson, The Clash,  Poly Styrene, Pauline Black
  • Beitragsbild © Berlinale 
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