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Berlinale ’20 Generation: „Veins of the World“ disguises more inherent conflicts than it addresses

Berlinale ’20 Generation: „Veins of the World“ disguises more inherent conflicts than it addresses

Bereits Byambasuren Davaas bekannteste Filme Die Geschichte vom Weinenden Kamel und Die Höhle des Gelben Hundes sind keine eigentlichen Dokumentarfilme, sondern eher filmische Illustrationen der Mythen und Märchenwelt ihrer mongolischen Heimat. Dort spielt auch ihre jüngster Berlinale-Generation-Beitrag, ein von typischen Schwächen der Regisseurin geprägter Kinderfilm. Ein solcher ist nur scheinbar ideale Ausdrucksform eines Erzähltons naiver Verklärung. Letzter zeichnet den durch ökologischen Raubbau bedrohten Schauplatz des handlungsarmen Dramas als ursprüngliches Paradies ohne inhärente Konflikte.

Alles war offenbar wunderbar in der mongolischen Steppe, wo der 12-jährige Amra ( Bat-Ireedui Batmunkhw) mit seinem als Käseverkäufer arbeitenden Vater Erdene (Yalalt Namsrai) und Mutter Zaya (Enerel Tumen) lebt. Zwischen Tradition und Moderne gibt es hier keine Animositäten. Junge und Alte schauen vereint Mongolia’s Got Talent, mit denen Davaa hoffentlich einen Werbedeal geschlossen hat. Wäre nämlich unfair, wenn für all die Reklame, die der dünne Plot für die Casting-Show macht, nichts abfiele.

Das Bewerbungsformular verteilt gar die Schule an Amra und seine Klassenkameraden. Sind deren Zukunftsaussichten so düster, dass ein Popstar-Talentwettbewerb staatliche Förderung verdient? Ist die Schule so arm, dass sie Fördergelder der TV-Show braucht? In der mit pittoresken Panoramaaufnahmen geschmückten Heldengeschichte interessiert das nicht. Auch nicht die sich abzeichnenden patriarchalen Strukturen, die der Plot beiläufig übernimmt. Zayas Retter und wirtschaftlicher Unterstützer ist nach Erdendes Unfalltod Amra, der zum Abspann natürlich auf der Bühne steht.

Hübsche Landschaftsaufnahmen und eine zeitaktuelle ökologische Thematik kaschieren nicht die Oberflächlichkeit Byambasuren Davaas Kinderdramas. Dessen Protagonisten sind ähnlich simpel gestrickt wie die Handlung, deren optimistische Schlussnote im Widerspruch zum unaufgelösten Hauptkonflikt steht. Statt die Mechanismen von sozialem Wandel, wirtschaftlicher Instabilität und ökologischer Ausbeutung aufzuarbeiten, flüchtet sich die Story in unglaubwürdige Scheinlösungen. Wichtiger als familiäre Konflikte scheint der Regisseurin die Promotion von TV-Casting-Shows. Zum Musikvideo für eine solche zusammengeschnitten wäre ihr Spielfilmdebüt ganz akzeptabel.

  • OT: Die Adern der Welt
  • Regie: Byambasuren Davaa 
  • Drehbuch: Byambasuren Davaa
  • Produktionsland: Germany, Mongolia
  • Jahr: 2019
  • Laufzeit: 96 min. 
  • Cast: Bat-Ireedui Batmunkhw, Enerel Tumen, Yalalt Namsrai, Algirchamin Baatarsuren, Ariunbyamba Sukhee, Purevdorj Uranchimeg, Alimtsetseg Bolormaa, Batzorig Sukhbaatar, Unurjargal Jigjidsuren, Sarantsetseg Myagmar, Batbaatar Uukhaan, Ravdandorj Shirchin, Baatartsogt Lkhagvasuren, Davaasamba Sharav
  • Beitragsbild © Berlinale / Pandora Film 
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